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Biografie Rudolf Pöch

Der österreichische Gelehrte Rudolf Pöch, geboren 1870 in Tarnopol (Ukraine), und 1921 in Innsbruck (Österreich) gestorben, ist international als umtriebiger Entdeckungsreisender ein Begriff. Sein Lebenslauf ist von besonderer wissenschaftsgeschichtlicher Relevanz: auf interdisziplinär angelegten Großexpeditionen interessierte er sich nicht nur für eine umfassende Forschungs- und Sammlungstätigkeit auf so vielfältigen Gebieten wie der Anthropologie, Ethnologie, Medizin, Archäologie, Musik- und Sprachwissenschaft, Botanik, Zoologie, Geologie und sogar Meteorologie, sondern auch für eine multimediale Dokumentation in den damals jeweils neuesten Technologien. Vor allem im Bereich der frühen Ton- und Filmaufzeichnung wie auch in der Fotografie “im Feld” wirkte er unbestritten als innovativer Medienpionier.

Das anthropologisch-ethnografische Interesse des ausgebildeten Mediziners wurde offenbar auf einem ärztlichen Einsatz in Indien zur Erforschung der Pest (1897) geweckt, welches ihn zu einer Ausbildung bei Felix von Luschan ans Königliche Museum für Völkerkunde zu Berlin führte (1900-01). Nach einem weiteren Einsatz als Malariaarzt in Afrika (1902) plante er eigenständige Forschungsreisen mit einem Schwerpunkt in der physischen Anthropologie, welche ihn nach Neu-Guinea, Indonesien und Australien (1904-06) sowie in die Kalahari (1907-09) führten. Durch seine Expeditionserfahrung galt er nach seiner Rückkehr als anthropologisch-ethnografischer Fachpionier, konnte sich 1913 als erster österreichischer Professor für Anthropologie und Völkerkunde habilitieren, und begründete im Jahre 1919 das “Institut für Anthropologie und Ethnographie” der Universität Wien. Als früher Vertreter eines erbbiologischen Ansatzes unternahm Pöch außerdem ebenso umfangreiche wie umstrittene anthropologische Kampagnen in den Kriegsgefangenenlagern des ersten Weltkriegs.

Der frühe Tod von Rudolf Pöch im Jahre 1921 hinterließ ein zersplittertes Lebenswerk. Trotz des Einsatzes einer “Pöch-Kommission” im Auftrag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften von 1922-82 gelangten nur wenige seiner umfangreichen und wertvollen Forschungsmaterialien zur Publikation. Da er in seinem Testament verschiedenen Institutionen bedachte, liegt heute ein großteils unbearbeiteter Nachlass über jene verstreut (Projekt Team).

Rudolf Pöch
(1870-1921)

Bildnisrelief,
Gustav Schütz,
Wien 1933